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Diese 5 Designerinnen retten die Sneakerbranche


Der neue Virgil Abloh ist eine Frau.

 

Noch vor ca. zehn Jahren war die Sneakerszene eine ziemliche Würstchenparty. Sneaker für Frauen waren entweder kleine Sizes bestehender Releases oder fragwürdige Versionen in Rosa mit kleinen Blümchen drauf. Die großen Namen der Branche waren Tinker Hatfield, Virgil Abloh, Sean Wotherspoon und, außer ein paar kleineren Projekten wie den Jordans von Vashtie oder Aleali May, durchgehend männlich konnotiert.

 

Dieses Machtgefälle sollte jedoch in den Folgejahren stark ins Wanken geraten. Immer mehr kreative Designerinnen nahmen im Hintergrund wichtige Positionen ein und konnten sich durch ihr beispielloses Talent einen Platz an der modischen Poleposition sichern. Und nun, da die Position des neuen Kreativdirektors von Balenciaga allem Anschein nach von einer Frau besetzt wird, sollte auch der letzte Mode-Macho verstanden haben, wer unsere wertvollsten Designerinnen aktuell sind. Daher wollen wir euch heute fünf inspirierende Frauen vorstellen, ohne die weder die Sneaker- noch die Modebranche so spannend wären, wie sie gerade sind.

 

 

Deutsche Avantgarde: Melitta Baumeister

Die einzige Person aus Deutschland, die auf einem extrem hohen Niveau Nike-Kollaborationen herausbringt, ist die Designerin Melitta Baumeister. Nach einer Schneiderausbildung in Deutschland zog sie nach New York und erhielt dort 2013 den MFA in Fashion Design and Society an der Parsons School of Design. Ein Jahr später brachte sie ihre erste Kollektion heraus, die stark an skulpturellen Formen festhielt und mit überdimensionalen Formen und ungewöhnlichen Materialien experimentierte. Im selben Jahr nahm der einflussreiche Dover Street Market ihre Brand in sein Sortiment auf. Weitere Erfolge sind das Semifinale des LVMH Prize 2016, der Sieg beim CFDA/Vogue Fashion Fund 2023 und der National Design Award for Fashion Design 2025.

 

Ihr größter Erfolg war jedoch die Zusammenarbeit mit Nike. Es fing an mit einem unkonventionellen Air Max Muse, den Melitta Baumeister zu einem Stück getragener Erde ummodellierte. Der avantgardistische Ansatz fand großen Gefallen in Oregon, weswegen Nike sie danach sofort für eine weitere Kollaboration ins Boot holte. Da der allgegenwärtige Running-Hype in diesem Jahr die Trends ein Stück weit diktierte, nahm sich die deutsche Designerin den Nike Vomero Premium und Pegasus Premium als Leinwand für ihr Schaffen. Herausgekommen sind neonfarbene, grelle Sneaker, die extrem überproportioniert wirken und eher in einer Tradition mit Balenciaga als mit einem Nike Pegasus stehen. Hier findet ihr die Sneaker von Melitta Baumeister noch in verschiedenen Größen.

 

 

Couture auf Running-Sneakern: Cecilie Bahnsen

Dass ausgerechnet ein Asics-Running-Sneaker, der stark unter dem brutalistischen Einfluss von Kiko Kostadinov gewachsen ist, irgendwann einmal mit Blumenapplikationen, Spitze und whimsical Stickereien zu einem der begehrtesten Fashion-Pieces wird, hätte vor einigen Jahren wohl niemand für möglich gehalten. Doch genau das ist der dänischen Designerin Cecilie Bahnsen gelungen. Nachdem sie am Royal College of Art in London studiert und unter anderem für Größen wie John Galliano gearbeitet hatte, gründete sie 2015 in Kopenhagen ihr gleichnamiges Label. Ihre Designs liegen irgendwo zwischen skandinavischem Minimalismus und französischer Haute Couture. Voluminöse Kleider, außergewöhnliche Silhouetten und romantische Details haben sich inzwischen zu festen Looks ihrer Brand entwickelt. 2017 schaffte sie es ins Finale des LVMH Prize und 2022 folgte schließlich ihr Debüt auf der Pariser Fashion Week.

 

Ihre Premiere in der Sneakerbranche feierte sie jedoch in Kobe bei der Brand mit den Tigerstripes. 2023 begann die Zusammenarbeit mit Asics zunächst mit handverzierten Upcycling-Sneakern, ehe daraus eine feste Partnerschaft mit handfesten Releases entstand. Modelle wie der GT-2160 oder Gel-Quantum bekamen von ihr eine völlig neue Note verliehen. Auf einmal standen technische Performance-Sneaker in einem Kontext mit floralen Verzierungen, transparenten Materialien und femininen Details, ohne dabei ihre eigentliche DNS zu verlieren. Für uns das Paradebeispiel dafür, wie man mit feminin konnotierten Symbolen spielt, ohne dabei zu corny oder plakativ zu werden. Inzwischen arbeitete Cecilie Bahnsen mit Marken wie The North Face, Alpha Industries und UNIQLO zusammen. Ihre neueste Collab mit Asics könnt ihr euch aber nach wie vor hier sichern.

 

 

Der neue Boss bei Balenciaga: Martine Rose

Moderne Menswear wäre noch in einer Midlife-Crisis, hätte es nicht Martine Rose gegeben, die den Männern modisch den Weg weist. Die Londonerin mit jamaikanischen Wurzeln studierte Fashion Design an der Middlesex University und gründete 2007 mit lediglich 1.500 Pfund Startkapital ihre eigene, gleichnamige Brand. Als Inspiration dienten ihr vor allem die britische Clubkultur, Raves, Fußball und die Nostalgie für die oftmals fragwürdigen Outfits der 90er-Jahre. Daraus entwickelte sie einen unverkennbaren Look, der sich durch überdimensionierte Silhouetten, ungewöhnliche Proportionen und Mut zu einer gewissen Hässlichkeit auszeichnet, die aktuell jedoch kaum attraktiver aussehen könnte.

 

Dass heute die halbe Modewelt in Oversized-Jacken mit riesigen Schultern herumläuft, ist ebenfalls auf Martine Roses Einfluss zurückzuführen. 2015 holte sie Demna Gvasalia als Menswear Consultant zu Balenciaga, wo sie bis 2018 maßgeblich an der Neuausrichtung der Herrenkollektionen beteiligt war. Besonders die erste eigenständige Menswear-Show des Hauses im Jahr 2016 gilt als wichtiger Meilenstein, den viele Insider gleichermaßen auch ihr zusprechen. Stimmen die Gerüchte, wird sie zudem in die Fußstapfen ihres ehemaligen Mentors treten und Balenciaga als Head-Designerin übernehmen. Außerdem arbeitete sie bereits an zwei umfangreichen Streetwear Kollektionen mit Supreme, die zuletzt noch Nike für eine Triple Kollaboration auf dem Dunk Low mit ins Boot holten.

 

Ihren Einfluss auf die Sneakerbranche machte sie dank Nike noch früher ziemlich deutlich. Nachdem sie 2019 bereits den Air Monarch IV komplett deformiert hatte, veröffentlichte sie 2022 den Nike Shox MR4. Eine Mischung aus Sneaker, Mule und High Heel, die auf den ersten Blick viele Sneakerheads verunsicherte. Genau darin liegt jedoch die Genialität von Martine Rose. Sie nimmt bekannte Silhouetten, stellt sämtliche Designregeln infrage und schafft daraus etwas, das vorher niemand gewagt hatte auszuprobieren. Mit diesem Aktionismus erschuf sie den Ignorant-Look von Balenciaga und brachte die interessantesten Nike-Produkte seit Langem heraus.

 

 

Wegen ihr trägst du adidas Samba: Grace Wales Bonner

Der Sneaker, der adidas nach dem Wegfall von Yeezy rettete, war der adidas Samba. Dass die ursprünglich für den Fußball entwickelte Silhouette plötzlich in jeder Fashion-Bubble auftauchte, dürfte allerdings zu einem großen Teil an Grace Wales Bonner und ihrer Subline bei adidas liegen. Die Londonerin mit jamaikanischen Wurzeln absolvierte 2014 ihr Studium am renommierten Central Saint Martins College und gründete anschließend ihre gleichnamige Brand. Anders als viele ihrer Kolleginnen beschäftigt sie sich in ihren Kollektionen nicht ausschließlich mit aktuellen Trends, sondern vor allem mit der eigenen kulturellen Identität sowie afrikanischer und karibischer Geschichte, gepaart mit traditionellem europäischem Tailoring. Wie bei einer Symphonie bringt die Designerin die verschiedenen Einflüsse harmonisch zusammen und erschafft mal eben eine komplett neue Identität bei adidas, wie es in dieser Form zuletzt Yohji Yamamoto mit Y-3 gelang.

 

Bereits 2015 erhielt sie den British Fashion Award als Emerging Menswear Designer, ein Jahr später gewann sie den begehrten LVMH Prize. 2020 begann ihre bis heute andauernde Zusammenarbeit mit adidas Originals. Besonders ihre Interpretationen des Samba sorgten für einen Hype, ähnlich wie der von Kiko Kostadinov bei ASICS. Verlängerte Zungen, aufwendige Nähte, Häkel-Details und außergewöhnliche Materialien machten aus einem vergleichsweise simplen Fußballschuh ein begehrtes Luxusobjekt für Fashionistas. Es folgten Klassiker wie der SL 72, die Gazelle und weitere Silhouetten aus dem adidas-Archiv, die allesamt von ihr neu interpretiert wurden. Ihre Kollaborationen beweisen, dass es nicht immer neue Technologien oder vollkommen verrückte Konstruktionen braucht. Es kann sich sehr innovativ anfühlen, einer fast vergessenen Silhouette eine neue Geschichte zu geben. Hier findet ihr viele Releases von Wales Bonner.

 

 

Von Kim Kardashian zu Timberland und Nike: Veneda Carter

Während die anderen Designerinnen aus dieser Aufzählung Modeschulen besuchten, arbeitete sich Veneda Carter auf einem etwas unkonventionelleren Weg an die Spitze der Modebranche. Die in Dänemark geborene Creative Directorin mit polnischen Wurzeln begann bereits mit 13 Jahren als Model und entwickelte früh ein Gespür für außergewöhnliche Stylings. Später zog sie nach Los Angeles, arbeitete im kreativen Umfeld von Kanye Wests Yeezy-Brand und wurde schließlich als Stylistin von Kim Kardashian bekannt. Ihr persönlicher Style bewegt sich zwischen 90er-Jahre-Hip-Hop, Y2K-Nostalgie, Vintage-Workwear und luxuriöser Streetwear. Oversized-Pieces, Baggy Pants und auffällige Accessoires gehören dabei genauso zu ihrem Repertoire wie technische Sportswear und ein ziemlich gutes Auge für Proportionen. 2022 gründete sie schließlich ihre eigene Schmuckmarke, die vor allem mit genderless Designs und ungewöhnlichen Formen auf sich aufmerksam machte. In der Zwischenzeit stand sie Marken wie PDF Channel und Live Fast Die Young beratend zur Seite, sowohl hinter als auch vor der Kamera.

 

Die Sneakerbranche lernte sie durch ihre erste große Footwear-Kollaboration mit Timberland kennen. Dank ihr durften wir über den legendären 6-Inch Boot mit glänzender Lacklederoptik staunen, der weniger einem klassischen Workwear-Schuh als vielmehr einem Stiletto entsprach. Die als „Glazed Donut“ bekannten Boots entwickelten sich schnell zu begehrten It-Pieces für Fashion-Fans. Nach mehreren erfolgreichen Releases mit Timberland folgte 2025 der nächste große Schritt in Richtung Sportswear. Für ihre erste Zusammenarbeit mit Nike nahm sie sich den futuristischen Air Max Muse vor und versah ihn mit ungewöhnlichen Texturen und Details, die von ihren Kindheitserinnerungen an polnische Flohmärkte inspiriert waren. Ein weiterer Colorway folgte noch in diesem Jahr. Dass Carter weder eine klassische Designausbildung noch eine jahrzehntelange Karriere bei großen Modehäusern vorweisen kann, macht ihren Erfolg umso bemerkenswerter. Allein durch guten Geschmack, das richtige Gespür und die Fähigkeit, sich mit einflussreichen Menschen zu connecten, konnte Veneda Carter eine beispiellose Karriere hinlegen. Den neuesten Air Max Muse findet ihr hier in diversen Größen.

 

 

 

 

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